Linux auf einem iMac

Linux auf einem iMac

Ich mag meinen iMac. Er ist in die Jahre gekommen, läuft aber immer noch zufriedenstellend schnell. Bislang lief der Rechner unter macOS. Zuletzt hatte ich macOS 10.13 High Sierra installiert.

iMac-Systeminfo
Originale iMac-Systeminfo vor der Linux-Installation

Ich habe dazu eine kleine Videoreihe bei Youtube veröffentlicht, die zeigt, was dabei zu beachten ist. nun ist es aber so, dass ich für Schulungszwecke einen Rechner mit Linux brauche. Mein MacBook Pro wollte ich dazu nicht verwenden. Daher musste der iMac dran glauben. Auf ihm habe ich Ubuntu 16.04 LTS installiert. Dieser Artikel beschreibt, wie Linux auf einem iMac installiert wird, welche Vorbereitungen zu treffen sind usw.

Vorbereitungen

Als erstes gilt es, sich eine installierbare Linux-Distribution zu beschaffen. Ich habe mich für Ubuntu entschlossen. Damit habe ich in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen gemacht. Und weil ich stabile Versionen mag, die lange unterstützt werden, fiel meine Wahl auf Ubuntu 16.04 LTS. LTS steht dabei für den fünfjährigen Long Time Support.

Von der Downloadseite habe ich mir das Image von Xenial Xurus, so der interne Codename, heruntergeladen. Das Image ist ca. 1,5 GB groß.

Von dem heruntergeladenen Image gilt es einen bootfähigen Datenträger zu erstellen. Das keine eine DVD oder ein USB-Stick sein. Ich habe mich für den USB-Stick entschieden. Zur Erstellung dieses bootfähigen Sticks habe ich die freie Software Etcher verwendet. Das erschien mir am einfachsten und hat auch problemlos funktioniert.

Bootfähigen USB-Stick mit Etcher erstellen
Bootfähigen USB-Stick mit Etcher erstellen

Nachdem Etcher installiert ist, wird das Programm gestartet, das zu kopierende Image und USB-Stick als Ziel ausgewählt. Der USB-Stick wird dabei komplett gelöscht. Also: Nimm keinen Stick, der noch wichtige Daten enthält. Am Ende des Kopiervorgangs meldet der Mac, den Stick nicht einbinden zu können. – Das macht nichts!

Linux-Boot

Nachdem der Bootstick erstellt wurde, wird der Mac heruntergefahren. Der Bootstick bleibt dabei angeschlossen. Er wird für den nun folgenden Bootvorgang benötigt. Damit der Mac vom USB-Stick booten kann, muss beim Einschalten die Command-Taste gedrückt gehalten werden. Im darauf folgenden Auswahlmenü, wird der soeben erstellte USB-Stick als Boot-Medium gewählt.

Des weiteren sind folgende Vorbereitungen zu treffen:

  • Der Mac muss via Kabel mit dem Netzwerk verbunden sein, um während der Installation auf das Internet zugreifen zu können.
  • Man benötigt während der Installation (siehe unten) eine USB-PC-Tastatur.
  • Die Apple-Tastatur wird für den Bootvorgang benötigt, um den Bootstick auswählen zu können (sprich: Command-Taste).

Ubuntu installieren

Ab jetzt geht es weiter, wie bei jeder anderen Ubuntu-Installation. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Apple-Tastatur während der Installationsroutine ihre Arbeit einstellt. Das merkt man spätestens bei der Tastatureinrichtung. Ich habe daher die Apple-Tastatur ausgeschaltet und eine USB-PC-Tastatur angeschlossen. Die funktioniert dann sofort. Weil die PC-Tastatur eh besser mit den Tastencodes von Linux funktioniert, habe ich sie gleich drangelassen.

Ansonsten ist zur Installation nichts zu sagen. Die Festplattenpartitionen müssen zugewiesen werden und all das, was sonst während der Installation anzugeben ist. Der Fusion-Drive, eine Kombination aus SSD und HDD wird bei der Partitionierung aufgelöst. Ich habe die SSD für das Betriebssystem selbst genutzt. Auf der 1 TB großen HDD habe ich Fotos, Musik und Filme platziert. Dazu habe ich sie als /home/extended für meinen Account eingebunden. Die üblichen Unterverzeichnisse im Heimatverzeichnis verweisen auf als Softlinks auf entsprechende Unterverzeichnisse auf diesem Device. Im Ergebnis sieht das so aus:

$ mount
sysfs on /sys type sysfs (rw,nosuid,nodev,noexec,relatime)
proc on /proc type proc (rw,nosuid,nodev,noexec,relatime)
udev on /dev type devtmpfs (rw,nosuid,relatime,size=8158800k,nr_inodes=2039700,mode=755)
devpts on /dev/pts type devpts (rw,nosuid,noexec,relatime,gid=5,mode=620,ptmxmode=000)
tmpfs on /run type tmpfs (rw,nosuid,noexec,relatime,size=1636948k,mode=755)
/dev/sdb2 on / type ext4 (rw,relatime,errors=remount-ro,data=ordered)
securityfs on /sys/kernel/security type securityfs (rw,nosuid,nodev,noexec,relatime)
tmpfs on /dev/shm type tmpfs (rw,nosuid,nodev)
... weitere systemrelevante Einhängepunkte ...
/dev/sda1 on /boot/efi type vfat (rw,relatime,fmask=0077,dmask=0077,codepage=437,iocharset=iso8859-1,shortname=mixed,errors=remount-ro)
/dev/sda3 on /home/extended type ext4 (rw,nosuid,nodev,relatime,data=ordered)
binfmt_misc on /proc/sys/fs/binfmt_misc type binfmt_misc (rw,relatime)
tmpfs on /run/user/1000 type tmpfs (rw,nosuid,nodev,relatime,size=1636948k,mode=700,uid=1000,gid=1000)
gvfsd-fuse on /run/user/1000/gvfs type fuse.gvfsd-fuse (rw,nosuid,nodev,relatime,user_id=1000,group_id=1000)
$ _

Ubuntu 16.04 LTS funktioniert out of the box. Selbst die Lautstärketasten auf meine Cherry-Tastatur funktionieren ohne weiteres Zutun. Die Systeminformation von Ubuntu zeigt die erfolgreiche Installation an. Die HDD wird nicht ausgewiesen.

Ubuntu-Systeminformation
Ubuntu-Systeminformation

Notwendige Nacharbeiten

Auch wenn direkt nach der Installation alles Grundlegende funktioniert, sind noch Nacharbeiten erforderlich. In den Systemeinstellungen, unter dem Punkt Anwendungen & Aktualisierung können zusätzliche Treiber installiert werden.

Zusätzliche Treiber installieren
Zusätzliche Treiber installieren

Ich habe nur den Grafikkartentreiber und die Intel-Firmware installiert. Die WLAN-Karte nutze ich bei meinem iMac nicht. Er ist fest mit einem Kabel mit dem Netzwerk verbunden.

Soweit ist alles gut. Was jedoch definitiv fehlt, ist die Möglichkeit, die Bildschirmhelligkeit zu regulieren. Da der iMac keine Tasten zur Helligkeitsregelung besitzt, erstrahlt er nach der Ubuntu-Installation in voller Helligkeit. Das ist schlichtweg zu viel des Guten.

In den Ubuntu-Repositories findet sich leider kein geeignetes Programm, die Helligkeit des Bildschirms bequem und komfortabel einzustellen. Abhilfe schafft das Applet Indicator Brightness. Das erforderliche PPA wird wie folgt eingebunden:

$ sudo add-apt-repository ppa:indicator-brightness/ppa
$ sudo apt-get update

Danach kann es über die Kommandozeile

$ sudo apt-get install indicator-brightness

oder auch Synaptic installiert werden.

Wie die Thunderbolt-Unterstützung funktioniert, vermag ich nicht zu sagen. Ich habe keine Thunderbold-Peripherie. Offiziell soll dies aber durch den Kernel unterstützt werden.

Alle weiteren Einrichtungsarbeiten sind optional und richten sich vor allem nach den persönlichen Belangen. Ich nutze den iMac auch für die Bildbearbeitung. Der Farbumfang des Displays ist einfach phänomenal. Um ihn jedoch korrekt nutzen zu können, muss der Bildschirm kalibriert werden. Wie das funktioniert, beschreibe ich in dem Artikel „Monitorkalibrierung mit dem Datacolor Spyder unter Linux“.

Probleme

Probleme habe ich keine festgestellt, außer einem: Bei einem Reboot verabschiedet sich die Soundkarte. Die Klangausgabe funktioniert dann nicht mehr. Will/muss man den Rechner neu booten, muss er also richtig heruntergefahren und neu gestartet werden. – Das ist das einzige Manko, welches ich habe feststellen können. Es ist so minimal, dass ich mir wohl nicht die Arbeit machen werde, die Ursache für dieses Verhalten zu suchen, um es abzustellen.

Fazit

Der iMac ist einer hervorragende Linux-Maschine. Die Installation ist keineswegs komplizierter als bei gewöhnliche PC-Hardware. Bildbearbeitungsprogramme, wie GIMP oder Darktable, laufen unter Linux sogar schneller als ihre Pendants unter macOS. Überhaupt läuft der iMac unter Linux schneller als unter macOS. – Das ist natürlich allein kein Grund, seinen Mac plattzumachen. Dinge wie der iTunes-Store, und ähnliche Apple spezifischen Sachen, funktionieren unter Linux nicht mehr. Dafür habe ich aber mein MacBook Pro. Den iMac verwende ich ab jetzt, um Linux-Schulungen vorzubereiten und meine Fotos zu bearbeiten. Das funktioniert unter Linux ebenso gut, wie unter macOS. Meine bevorzugten Programme laufen sogar schneller – toll.

Karsten Brodmann

 

 

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